Foto © Arne Müseler / arne-mueseler.de / CC-BY-SA-3.0 Foto © Arne Müseler / arne-mueseler.de / CC-BY-SA-3.0

Ich mag ja Musik ganz gerne. Dabei kann ich mich nicht für eine bestimmte Richtung entscheiden und so tummeln sich viele verschiedene Genres, Musikerinnen und Musiker in meinem analogen Plattenregal bzw. der digitalen Bibliothek. Seit einigen Tagen ist das neue Album von Danger Dan dazugekommen. Da ich mich ja für einen überragenden Geist halte und jeder meine Meinung kennen sollte, werde ich meine kurze Plattenkritik nachfolgend veröffentlichen.

Wer genau: Wer ist der Danger Dan?

Danger Dan ist Teil der Antilopengang. Eine Band die mich in den letzten 1,5 Jahren ziemlich oft in gute Laune versetzte. Nun hat der Herr Danger sein eigenes Album herausgebracht. Der Titel: Reflexionen aus dem beschönigten Leben. 12 Songs und knappe 40 Minuten sollen ausreichen um zu unterhalten. Mal schauen!

Das Label – jaaaaa! – ist Jochens Kleine Plattenfirma. Egal wie man zu den Toten Hosen steht, das Label ist ein erfrischender Gegenentwurf zu den großen Major Labels. Natürlich müssen auch die Leute bei JKP Geld verdienen. Aber während die großen Labels jeder umsatzversprechenden Künstlerin und jedem aktuell beliebten Künstler einen Deal anbieten, unterzeichnen bei den kleinen Labels eben auch kleine Bands. Und wer eben diese (etwas) independent Szene mag (und unterstützen will), freut sich halt über solche Konstellationen, wie im aktuellen Fall von Danger Dan und der JKP.

Die Bewertung: Wie gehe ich vor?

Es handelt sich um meine erste Musikkritik und ich habe keine Ahnung, was ich wie beurteilen soll. Aus diesem Grund werde ich mir den Titel anhören und gleichzeitig meine Gedanken dazu abtippen. Das Album höre ich allerdings nicht zum ersten Mal. Schon länger läuft es in meiner Playlist mit. Eventuell macht dies einen Unterschied.

Eine aufs Maul

Der Einstieg ist so ganz anders als gedacht. Hier geht Danger Dan mit dem eigenen Schweinehund, Faulpelz und Taugenichts ins Gericht. Diese Art der Auseinandersetzung ist in der Rap-Musik-Branche nichts Neues – jedoch ganz nett umgesetzt. Der Track mit 3:12 Minuten macht Lust auf das Album, hat nur einen leichten Beat aber dafür einen schönen Sing-Sang. Für das Intro zum Album gibt es 3 von 5 Salatgabeln.

Mein Heroin

Joah, danach gibt’s wirklich eine aufs Maul. Mit Heroin kommt dann gleich ein schöner Track mit tieferer Bedeutung daher. Aus persönlichen Erfahrungen verspürte ich anfangs einen gewissen kontroversen Gedankenaustausch in mir. Handwerklich solide und textlich stabil. 70 von 100 Miesmuscheln. Und nach 4 Minuten und 12 Sekunden geht es weiter.

Die Grundvoraussetzung

Natürlich habe ich damit gerechnet, dass es oft zu einem Bruch im melodischen des Albums kommt. Die Antilopengang ist nicht dafür bekannt Pop-Msuik zu machen, wo ein jeder Track die gleichen (Erfolgs?-)Merkmale aufweist wie der zuvor. Aber der dritte Track auf dem Album bringt schon die dritte Atmosphäre. Was ist aber gleich geblieben? Ein starker Danger Dan der hier einen sehr schönen Track abliefert. Hier kann ich nur schmunzeln. Und ja, ich erkenne mich hier ab und an auch wieder. Mit 2:43 Minuten der kürzeste Track auf dem Album.

Drei gegen einen (mit Koljah und Panik Panzer)

Die 3:47 Minuten im vierten Track liefern einen schönen, massiveren, Beat. Der Text ist nice und die Parts von Koljah und Panik Panzer machen Spaß. Klar habe ich mit Features der Antilopen gerechnet. Ich ging aber davon aus, dass eher zwei oder drei Tracks mit je einem der beiden als Partner, auf dem Album auftaucht. Ich kann aber auch verstehen wenn Danger Dan die Absicht hat, mit seinem eigenen Album keine neue Antilopen-Platte herauszubringen. Aber genug davon. Lieber zurück zu der Abrechnung (irgendwie muss ich an Zugezogen Maskulin denken) mit dem eigenen Genre bzw. deutscher Rapmusik. Denn um dieses Thema geht es hier. Rapper die über die Rap-Szene lästern. Ich mags. Wer Freund davon ist, kann sich auch mit Manfred Groove beschäftigen. Für den Track gibt es 4,4 von 5,1 Zimtschnecken. Achso, und die Grundvoraussetzung wird mit 33 von 77 Paprikas bewertet. Hatte ganz vergessen diesen Track einer transparenten Evaluierung zuzuführen.

Sand in die Augen

Hier der erste wirkliche Knaller, der mich wirklich überrascht hat. In knapp 3 Minuten wird gezeigt, wie die Gesellschaft mit den Frauen umgeht. Für mich der beste musische Beitrag seit langem zum Thema Ungerechtigkeit. Für mich 4,8 von 5 Handkanten.

Wir lachen uns tot

Nun bleibt das Album dem zuvor aufgelegten Sounddesign treu und der Track mit 3:21 Minuten behandelt ebenfalls wieder ein etwas allgemeineres Thema. Nicht ganz so tiefgründig und kritisch wie „Sand in die Augen“ aber durchaus hörenswert. 4 von 5 Wurfmessern.

Seit du gesagt hast

Der Beginn, dass muss ich sagen, erinnert mich so an einen Curse. Aber auch nur die ersten 20 Sekunden. Und danach gibt es wieder etwas Autopsie des Herrn Dangers. Passt. 300 von 700 Ballons.

Mingvase

Track 8 bietet ziemlich poppige 3:10 Minuten. Erinnert mich an Casper. Okay. Gibt 7***.

Die Prinzentragödie (feat. Sebastian Krumbiegel)

Nach „Sand in die Augen“ der zweite Höhepunkt für mich. Zum Lachen und – ich konnte erst nicht glauben – tatsächlich mit einem Feature von einem der Prinzen – dem Prinzen? – Sebastian Krumbiegel. Autobiografische Erzählung die wohl für eine Generation von Musikliebhabern gilt. Danke lieber Danger Dan dafür. 4,75923 von 5,0293113434 Punkten.

Piss in den Käfig

Nach den 3:17 Minuten mit den Herren Danger und Krumbiegel wird es wieder ziemlich deep. Mit „Piss in den Käfig“ beschäftigt sich der Danger wieder mit dem Leben im Allgemeinen und den Fehlern im Speziellen. Kräftiger Beat und aggressive Vocals. Macht Spaß. 7 von 11 Gänseblümchen.

Private Altersvorsorge

Kurz vor Ende kommt ein 3:45 minütiges Selbstgespräch über einige Jahre hinweg. Klingt komisch? Ist es auch. Herr Danger unterhält sich mit seinem 10 Jahren jüngeren Ich. Mittel der Wahl sind Tracks. Weniger aggressiv als der Track zuvor aber dafür zum Teil sehr melodisch. Interessante Komposition im Mittel des Tracks. 66 von 99 Donuts.

Die Verwandlung

Der letzte Track vom Album ist 3 Minuten lang und – ich habe mich sehr gefreut – eine Hommage an Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Ich habe das Gefühl, dass es sich hierbei um die Interpretation einer Textanalyse handelt. Für mich das dritte Highlight auf dem Album. Anfänglich etwas langsam nimmt der Track im Laufe der Zeit an fahrt auf und wird zunehmend brachialer im Beat und den Vocals. Ist ein schönes Ende des Albums.

Fazit

Ich habe nicht so viel erwartet wie ich bekommen habe. Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Antilopengang hielt ich Herrn Danger nicht für den besten Texter. Aber dieses Album zeigt mir, dass er es auf jeden Fall beherrscht viele tiefgründige Tracks zu schreiben und zu vertonen. Natürlich ist die Wortwahl nicht für alle etwas. Wer jedoch Rap mag wird hier nicht anecken. Zum Teil ist dieses Album durch sehr emotional geprägte autobiografische Augenblicke geprägt. Dabei wird es aber nicht zu kitschig.

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